Das Rindvieh und die Milchwirtschaft
Käse, Butter oder Joghurt, das sind nur wenige der Produkte, die aus der Milchwirtschaft hervorgehen. Viele der Speisen, die wir heute täglich zu uns nehmen, werden aus Bestandteilen der Milch hergestellt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Milchwirtschaft eine schon lange Tradition nicht nur hier in Deutschland hat. Vor allem in den Alpenregionen wird schon seit vielen hunderten Jahren Milchvieh der verschiedensten Rassen gehalten. Während der milden und warmen Sommermonate werden auch heute noch die Kühe, abhängig davon, ob es die Witterung zulässt, um Pfingsten herum auf die Alm getrieben. Dies wird dann als Almauftrieb bezeichnet. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war der Auftrieb auf die Alm häufig mit einem mehrtätigen Fußmarsch verbunden, der die Kühe auf die hochgelegenen Wiesen brachte. In heutiger Zeit erfolgt der Transport oft mit Viehtransportern. Am Ende des Sommers, der Almzeit werden die Tiere mit dem so genannten Almabtrieb wieder in die heimischen Ställe im Tal getrieben. Im Gegensatz zu dem Auftrieb ist die Alpabfahrt, wie der Abtrieb noch genannt wird, ein großes Spektakel. So ist es Sitte, verlief ein Almsommer weder für Mensch noch für Tier ohne tödliche Unfälle, dass die Kühe prachtvoll und festlich geschmückt werden. Zugleich ist ein solcher Abtrieb mit verschiedenen Veranstaltungen, bei denen Tanz und Musik geboten wird, verbunden.
Der Kopfschmuck der Kühe wird auch heute noch in traditioneller Weise gestaltet. Der Schmuck besteht aus verschiedenen Grün- und Blühpflanzen. Hierzu werden die Alpenrose, die Latschenkiefer, Silberdisteln und Seidenblumen verwendet. Liebevoll werden passende Bänder mit in die Kränze eingeflochten. Die so genannte Kranzkuh nimmt beim Alpabtrieb eine ganz besondere Rolle ein. Auf dem Weg in die heimischen Ställe führt die Kranzkuh die Herde sicher an. Der Kopfschmuck, der für die Kranzkuh mit viel Liebe und Sorgfalt aus Blumen, Gräsern und Zweigen sowie den passenden Bändern geflochten wird, hat die Form einer Krone. Dieser Kopfschmuck ist eine Paarung aus christlichem Glauben, denn mit einem Kreuz, das in der Krone eingearbeitet wird, wird um himmlischen Schutz gefleht, und mit Hilfe von Spiegeln und Glocken sollen böse Geister abgewehrt werden. Die Menschen, die an diesen traditionellen Festen teilnehmen, kleiden sich in der Regel in den jeweiligen Trachten.
Nur noch selten ist es dem Milch- oder auch dem Fleischvieh vergönnt, ein solch paradiesisches Leben zu führen und in den Sommermonaten den Aufenthalt im Freien genießen zu dürfen. Die meisten Kühe werden heute in modernen Betrieben in Ställen gehalten. Im Gegensatz zu den Kälbern, die auf der Alm das Licht der Welt erblicken, werden die Kälber, die in den Milchbetrieben zur Welt kommen, direkt nach der Geburt von ihren Müttern getrennt. Bis sie etwa acht Wochen alt sind, werden sie oft in so genannten Kälberiglus gehalten. Dies ist für die Gesundheit der kleinen Tiere förderlich. Im Anschluss kommen die Jungtiere in die Gruppenhaltung.
Trotz aller Diskussionen, die in den letzten Monaten um die Milchpreise geführt wurden, konnten auf dem deutschen Milchmarkt auch im vergangenen Jahr steigende Absatzzahlen verzeichnet werden. Besonders im Bereich der Lebensmitteldiscounter ist eine starke Nachfrage an Molkereiprodukten durch den Verbraucher zu verzeichnen. So deckt etwa die Hälfte der Konsumenten ihren Bedarf an diesen Produkten durch einen Einkauf in einem dieser Lebensmittelmärkte.
Im Handel sind verschiedene Formen von Milch erhältlich. Die Frischmilch ist in den Kühlregalen selten geworden. Immer häufiger wird sie von den Märkten aus dem Sortiment genommen. Die homogenisierte Milch, die so genannte H-Milch ist der Renner unter den Milchsorten schlechthin. Vereint sie doch die notwendige Haltbarkeit und den Geschmack in einer umweltfreundlichen und wieder verwertbaren Verpackung. Sie ist zudem in unterschiedlichen Fettstufen erhältlich. Wer an einer Milch- bzw. Lactoseunverträglichkeit leidet, der hat immer öfter die Möglichkeit, beispielsweise auf Sojamilch auszuweichen. Auf diese Weise muss derjenige, der mit einer solchen Unverträglichkeit zu tun hat, nicht auf den Milchgenuss verzichten.
