Lampenfieber

Jeder Mensch hat gewisse Beklemmungen, wenn er irgendetwas vor anderen Menschen präsentieren, erzählen oder aufführen soll. Nur ganz wenige sind dabei so cool, dass sie nicht zittern. Lampenfieber heißt diese Krankheit, die jeden immer wieder einmal befallen kann, vom Schüler bis hin zum Top Star. Meistens beginnt schon einige Zeit vor dem Ereignis, der Körper auf die seelische Belastung, die Angst zu Versagen, zu reagieren. Man bekommt ein ziemlich mulmiges Gefühl im Magen, die Gedanken kreisen immer wieder um das Erlernte. Schließlich bekommt man Schweißausbrüche, weiche Knie und zitternde Hände. Viele laufen hoch rot an, andere werden bleich wie eine Wand, wenn der Auftritt dann bevorsteht.

Lampenfieber bekommt man vor dem Aufsagen eines Gedichts in der Schule, ebenso, wenn man ein Referat halten muss oder im Musikunterricht etwas vorsingen soll. Angst vor einer schlechten Leistung, vor einem plötzlichen Black Out, sollte man, wenn es nur irgendwie geht, durch ausreichende Vorbereitung vermeiden, denn die Angst ist nicht förderlich. Lampenfieber kann wirklich der Grund sein, dass zum Beispiel ein Schüler etwas, das er Zuhause aus dem FF beherrscht hat, plötzlich nicht mehr weiß. Ist dies einmal geschehen, wird sich das auch wiederholen. Manche Stars verbergen ja ihre Unsicherheit mit Hilfe von Sonnenbrillen, was aber in der Schule auf keinen Fall möglich ist.

Sich einen Punkt zu suchen, auf den man während des Vortrages blicken kann, um nicht durch die Blicke des Publikums aus der Fassung gebracht zu werden, funktioniert nur bedingt, und geht nicht in jeder Situation. Die Rede eines Politikers darf nicht abgelesen klingen, sondern sollte frei und an seine Zuhörer erfolgen. Auch ein Schauspieler auf der Theaterbühne muss sich vollkommen frei bewegen und sich auf den Souffleur verlassen. Ebenso wirkt es komisch, wenn ein Star während eines Konzerts zu Boden blickt oder an die Decke.

Wenn man an sehr starkem Lampenfieber leidet, kann dies zu Problemen führen. Schüler verderben sich ihre Noten, das Vorstellungsgespräch wird zur Katastrophe, oder das eigentlich gut erlernte Instrument klingt wie eine Farce, wenn man auf dem Schulkonzert der Musikschule zu viel Angst hat. Man kann Kindern vielleicht durch Gespräche und Beispiele die Angst nehmen, sie bestärken, tapfer zu sein, und sie so vielleicht dazu zu bringen, das Lampenfieber so gut es geht zu unterdrücken. Bei Erwachsenen sollte absolut auf Beruhigungsmittel oder Alkohol verzichtet werden; dies kann süchtig machen und bringt auch nicht unbedingt die erhoffte Wirkung. Sich der Aufgabe zu stellen, und sie, wenn auch mit Pudding in den Beinen, zu bewältigen, macht stolz und das Lampenfieber zwar nicht ungeschehen, aber vergessen.